Unsere Erlebnisse bei den Falken

"Die Nebelspalter" als politischer Botschafter

peter hoch 1000von Peter Nürmberger

Das erste Mal im Falkenheim, das muss Ende September 1973 gewesen sein. Wolfgang Anlauft und ich setzten einen Leserbrief zum Tod von A.S. Neill, dem Leiter der antiautoritären Schule von Summerhill auf. Willy Brandt war Kanzler,

heute kaum zu glauben, wie ein lebender Spitzenpolitiker junge Menschen faszinieren konnte. Der Kniefall von Warschau, die Entspannungspolitik und die Wahl von 1972, das waren Ereignisse, die den Freundeskreis bewegten. Die Mitgliedschaft bei den Falken, bald auch in der SPD, war also nur konsequent.

Eine Fülle von Erfahrungen hängt mit den Falken zusammen: Diskussionen, Seminare, Gruppenstunden, Gemeinschaftserlebnisse, Lagerfeuer, Auftritte, Demonstrationen, Helfen und Hilfe bekommen, Partys, Vereinsleben und Geschäftsordnungsdebatten, Freundschaft, Mädchen, Übernachtungen im Zelt, Kochen oder zumindest Nahrungszubereitung für alle und so weiter.

In Erinnerung bleibt besonders der Versuch, ein politisches Kabarettensemble zu betreiben. „Die Nebelspalter“ spielten in wechselnder Besetzung und pochten auf sehr direkte Aussagen. Es war die Zeit, als man allenthalben Straßentheater und andere Formen ausprobierte, um politische Botschaften zu transportieren. Wir kamen – neben Hof oder Münchberg – zu Auftritten in Aschaffenburg oder Kaufbeuren. Selbst der damalige Kulturreferent Dr. Friedbert Braun ließ uns bei der Hof-Kultur im Studio des alten Theaters an der Schützenstraße spielen. Bei mir wurde dann ja aus dieser Kunstaffinität der Beruf.

Ganz wichtig war für uns damals sicher die Erfahrung, dass man als junger Mensch ernst genommen wird. Das Finden der eigenen Meinung und das Austauschen mit anderen gehörten dazu. Aktives Wahlrecht ab 6 Jahren, passives ab 14 – das war das reale Pendant zu „Mehr Demokratie wagen“. Wir haben auch über die Maßen Toleranz genossen, aber nicht immer selbst geübt. In Erinnerung bleiben heftige und mit aller Ernsthaftigkeit ausgetragene Konflikte. Nachsicht und Duldsamkeit wurden uns insbesondere von Herbert Narr zuteil. Vielleicht habe ich aus dieser Mischung von Gelten- und Gewährenlassen, aber auch aus den aufreibenden Diskussionen um die richtigen Ziele und Wege am meisten gelernt. Meine Jugend bei den Falken war eine großartige Zeit.


Peter Nürmberger

Geb. 1959

Seit 1973 bei den Falken

1979 – 1980 Zivildienst

1978 – 1985 Studium Theaterwissenschaft, Kommunikationswissenschaft, Politische Wissenschaft

1985 – 1992 Theater Hof, Organisations- und Werbeleiter

1993 – 2000 Stadt Hof, Öffentlichkeitsarbeit, Freiheitshalle, Kultur

2000 – 2010 Stadt Hof, Pressesprecher

Seit 2010 Stadt Hof, Kulturamtsleiter

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